Bulimie als Krankheit bei Männern ist selten – aber kommt vor.



Bulimie wird von Außenstehenden nur sehr schwer erkannt, denn die Betroffenen verstehen sich sehr gut darauf, ihr ständiges Erbrechen geheim zu halten. Sie bauen sich eine äußerliche Fassade auf und scheinen für alle anderen gesund zu sein. Meist dauert es sehr lange und es bedarf intensivem Kontakt zu einem betroffenen Menschen, damit ein Außenstehender diese Krankheit überhaupt wahrnehmen kann.

Bulimie als Krankheit bei Männern zu erkennen, ist jedoch noch schwerer und fast unmöglich. Die meisten Männer leiden vor dem Eintreten dieser Krankheit an Fettleibigkeit – und stürzen so vom einen Extrem in ein anderes. Meist werden sie von Freunden und Verwandten sogar für ihre Gewichtsreduzierung gelobt und bewundert, und niemand denkt daran, dass eine Essstörung dahinter stecken könnte.

Das Krankheitsbild ist ähnlich, aber die Auslöser sind meist andere als bei Frauen. Bei Männern spielen oftmals Ängste in Hinsicht auf die eigene Sexualität eine große Rolle, persönlicher Stress, Beziehungsprobleme, Angst vor dem Versagen auf beruflicher Ebene. Manchmal ist auch sportliche Betätigung ein Auslöser, schließlich möchte ein Mann mit den Sportkameraden mithalten können. Auffällig ist, dass an Bulimie erkrankte Männer weniger depressiv sind als erkrankte Frauen, und sie reagieren nicht mit einem so großen Hass auf die eigene Persönlichkeit, wenn sie Heißhungerattacken und anschließendes Erbrechen erlebt haben. Männer setzen auch seltener Abführmittel ein.

Allerdings schämen Männer sich noch mehr als Frauen, wenn ihre Krankheit entdeckt wird, denn Bulimie gilt als weibliche Erkrankung. Die Behandlung, wenn einmal eine Bulimie bei einem Mann erkannt wird, ist allerdings ähnlich wie die der Frauen. Die Ursachen müssen erkannt werden, das Essverhalten muss trainiert werden, das Selbstwertgefühl und das Gefühl für den eigenen Körper muss aufgebaut werden – und dies kann nur innerhalb einer Therapie geschehen.